Von
Robert Eß, Laupheim
Nach den napoleonischen Kriegen wurde das Königreich Württemberg durch Zuweisung mehrerer kleinerer und größerer Territorien wesentlich vergrößert.


Das Gebiet der in das Königreich
Württemberg von 1803 - 1807 einverleibten reichsständischen und
reichsunmittelbaren Herren betrug 1/6 (ungefähr 3250 qkm) des Königreiches
mit rund 240 000 Einwohnern.
Davon
fielen 160 000 Einwohner auf standesherrliche und 80 000 Einwohner auf
reichsritterschaftliche Gebiete. Von dem territorialen Flickenteppich wurden vom
Staate Württemberg übernommen:
16
standesherrliche Familien und
98
ehemals reichsritterschaftliche Familien.
17
Grafen
71
Freiherren und
10
Adelige teilten sich diesen Besitz.
Somit
kam eine große Anzahl Adeliger zu dem vorher adelsfreien Württemberg.
Diese Mediatisierten
leisteten dem König heftigen Widerstand beim Unterordnen in den neuen
Staatsverband. Doch es gab fortan nur noch Königliche Gerichte. Damit waren
alle Württemberger unmittelbare Untertanen des Königs und die vormaligen
Gerichtsherren zu reinen Gutsherren herabgesunken. Auch das Ernennungsrecht zum
Schultheißen wurde ihnen genommen, nur das Patronat blieb ihnen vorläufig.
„Das
Land zwischen Donau und Bodensee bildete, obgleich es aus vielen bisher
voneinander unabhängigen Herrschaften, Städten, Abteien und Klöstern bunt
zusammengewürfelt war, blieb doch ein zusammenhängendes großes
katholisches Land mit fast ausschließlich bäuerlicher Bevölkerung. Nur die
kleinen Reichsstädte Ravensburg, Leutkirch, Isny und Biberach, sowie einige von
Ulm oder Biberach aus reformierte Dörfer waren evangelisch oder paritätisch.“
1.
Da
das Herzogtum Württemberg ein rein evangelisches Land war, mußten nun auch
meist die Beamten von Neuwürttemberg der evangelisch-lutherischen
Staatsreligion angehören.
So
kamen die ersten evangelischen Familien, namentlich Beamte, nach Laupheim.
Unteramtmann
Simoth mit seiner Frau Luise Friederike, geb. Belser, zog 1811 ins Spital. Es
folgten Apotheker Hölzle mit Frau Friederike, geb. Puschner, einer
Pfarrerstochter aus Stetten im Remstal. Sie starb 1814 bei der Geburt ihres
ersten Kindes. Ihr Grabstein war noch 1941 auf dem Laupheimer Friedhof gut
erhalten. Die zweite Apothekersfrau war Sophie, geb. Amos, Schultheißentochter
von Schwaigern.
Die
erste Taufe im Jahre 1812 vollzog der Pfarrer aus Wain im hiesigen Amtshause bei
der Familie des vorgenannten Amtmanns Simoth 2. Ab 1816 nahm Pfarrer
Neubert von Oberholzheim die Taufen evangelischer Kinder hier vor.
Die
Evangelischen aus Laupheim waren nach Oberholzheim eingepfarrt, wo es nach der
Reformation eine evangelische Gemeinde gab.
Oberholzheim
kam 1806 zunächst zum Dekanat Blaubeuren. Ab 1810 aber mit Ober- und
Unterbalzheim und Wain zum Dekanat Biberach.
Im
Jahr 1828 waren in Laupheim 15 evang. Gemeindeglieder registriert.
Johann
Gottfried Brigel schreibt in seinen Aufzeichnungen:
"In
seiner Mitte zählt Laupheim: den Oberamts-Arzt seit 1814 und einen weiteren
praktischen Arzt nebst einer Apotheke; einen Amts-Notar seit 1826; einen Revierförster
seit 1833; ein Postamt seit 1832, den Verwaltungs-Actuar für die nächstumliegenden
Orte seit 1827; den Oberamts-Tierarzt seit 1841 und den Oberamts-Baumeister seit
1843.“
Mit
der Erhebung Laupheims zum Oberamt (bis 1844 Wiblingen) und Sitz der Bezirksbehörden
nahmen noch mehrere evangelische Bezirks- und Lokalbeamte aus Altwürttemberg
hier ihren Wohnsitz. Oberamtsrichter, Gerichtsnotar, Oberamtspfleger, Verwaltungsaktuar,
Oberamtsdiener, Amtsbaumeister, Vermessungsaktuar, Amtsgeometer, Gerichtsdiener,
Bahn- und Postmeister etc. zogen nach Laupheim.
Ihre
Beteiligung am Gemeindeleben war sehr rege. Meist zogen sie jedoch nach ein paar
Jahren wieder weg und nahmen auch ihre mitgebrachten Dienstboten mit, so daß
sich keine evangelische Kerngemeinde bilden konnte.
Dies
war erst möglich, nachdem sich Kaufleute, Händler, Handwerker und auch
Landwirte aus dem Unterland oder von der Alb hier niederließen.
Die
ersten waren Gärtner Müller aus Ulm im Jahr 1838. Es folgte Seifensieder
Betzeler, Bürger in Ulm 1839. 1845 Dr. Ludwig August Dillenuis, der bald zum
Oberamtsarzt avancierte. Er gehörte 1848/49 zusammen mit seinem Bruder, sowie
Seifensieder Betzeler, Kaufmann Schlichtherle, Rechtskonsulent Lämmle, Lammwirt
Eble und einigen jüdischen Einwohnern zu den engagierten Demokraten die einen
politischen Verein gründen wollten und unter anderem für die Ablösung der
Grundabgaben und Baulasten der Grundholden des Spitals Biberach eintraten.
Nachdem
die Gründung einer Bürgerwehr an der „Mittellosigkeit“ scheiterte, gründete
Dr. Dillenuis mit anderen Beamten und Bürgen 1848 eine Schützengesellschaft.
Im
Frühjahr 1849 wurde die Turngemeinde (als politischer Verein) gegründet.
Leiter des Zentralausschusses war Dr. Dillnius. Er war es auch, der ebenfalls
1849 die Gründung eines politischen Märzvereins initziierte.
Vorsitzender
war der Rechtskonsulent Lämmle. Oberamtsrichter Boscher konnte ebenfalls für
den Verein gewonnen werden, ebenso ein Justizreferent und Revierförster Glaiber.
Oberamtmann
Lindenmaier stand der Gründung des Vereins kritisch gegenüber.
Er
befürchtete:
„Läßt
man diesen, die öffentliche Ordnung tief verletzenden Verein bestehen, so ist
alles an demselben zu befragen und verletzt die Ordnung des Staats mit den
besten Einrichtungen unserer Zeit und führt am Ende einem Bürgerkrieg zu.
Und wie kann es auch anders sein, wenn Staatsdiener, welche Recht und Ordnung
handhaben sollen, ihr amtliches Ansehen dazu hergeben, den wühlerischen
Umtrieben der beiden Dillenius und zwei bis drei anderer Republikaner zum
Deckmantel zu leihen“ 3.
Die
politischen Auseinandersetzungen 1848/49 spalteten auch die kleine evangelische
Gemeinde in königstreue Konservative, Liberale und republikanische Demokraten.
Auch kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Amtmann Lindenmaier und Schultheiß
Brigel, der zugleich evangelischer Kirchenrechner war.
Aber,
nachdem sich die politischen Wogen geglättet hatten, zog auch in der evangelischen
Gemeinde wieder der Friede ein.
Vor
allem hat die Laupheimer Gemeinde dem vorgenannten Amtspfleger Johann Gottfried
Brigel, einem Biberacher Pfarrerssohn, sehr viel zu verdanken. Er war hier
zuerst Weldenscher Rentbeamter, dann vom Jahr 1838 an Ortsvorsteher und später
Oberamtspfleger und Oberamtskassier, der 1845 die erste Ortsbeschreibung
verfasste. Er war Kirchenpfleger und Rechner des neu gegründeten Evang.
Kirchenbauvereins und muß als eigentlicher Gründer der Evang. Gemeinde genannt
werden. 1847 zogen Oberamtsdiener Keitel und ein Jahr später Apotheker Wolbach
und Revierförster Gleiber hierher.
Die
anschließenden Hungerjahre brachten zusätzlich Knechte und Mägde, Gesellen
und Gehilfen hierher. Der Bau der Eisenbahn von Ulm nach Friedrichshafen brachte
den Beginn der Industrialisierung und führte ebenfalls zur Vergrößerung der
Gemeinde.
Die
Gemeinde war 1847 auf 91 Seelen angewachsen.
Es
folgten bis 1864:
Schlosser Santherr
Messerschmid Wilhelm
Schreiner Schönle
Maurermeister Gänßle
Bahnwirt Haage
Kaufmann Gerhardt
Gefängnisaufseher Löffler
Baumgärtner Utz
Stationskommandant Haas
Schirmmacher und Handelsmann Hagmann
Postgehilfe Gogg
Schuhmacher Hägele
Konditorgehilfe Kober
Bahnmeister
Heinkel
Schuhmacher Sauter
Schneider Gaisert
Schneider Klein
Wirtschaftspächter Kurz
Söldner Habdank
Malermeister Mohr
Söldner
Leibing
Rotgerber Mürdel
Söldner
Merkle
Werkmeister Rall
Korbmacher
Rumpus
Kaufmann Sättele
Schuhmacher
Sauter
Schreiner Ziegele und Schmahl
Schäfer
Sattler
Drechsler Dobler
u. v. m.
Sie
wurden zunächst als Ortsanwesende geführt, während ansässige Familien als
Ortsangehörige bezeichnet wurden.
Seit
1847 hatte die kleine evangelische Gemeinde Laupheim ihren Betsaal im Schloß
Groß-Laupheim von der Familie Steiner gemietet und eingerichtet. Alle vier
Wochen hielt dort der Geistliche aus Oberholzheim eine Predigt und zweimal im
Jahr wurde das Abendmahl gespendet. An den übrigen Sonntagen besuchten
durchschnittlich zehn Gemeindeglieder den Gottesdienst in Oberholzheim. Dort
empfingen auch die Konfirmanden ihren Vorbereitungsunterricht. Ein besonderer
Religionsunterricht wurde erst ab 1853 an der Schule erteilt. Vorher besuchten
die Kinder im Winterhalbjahr den Religionsunterricht, nach zweistündigem Fußmarsch,
ebenfalls in Oberholzheim. Seit dem Jahre 1858, strebte die Kirchengemeinde (sie
war inzwischen auf 177 Glieder angewachsen) nach einer eigenen Pfarrverweserei,
da die bisherige Pastoration doch manche Unbequemlichkeiten mit sich brachte. Außerdem
sollte mit der Anstellung eines eigenen Geistlichen außer Religionsunterricht
auch Latein und Realienunterricht erteilt werden. Aber erst 1861 wurde dem
Pfarrer von Oberholzheim ein Parochialvikar beigegeben, „der seinen Wohnsitz
in Laupheim zu nehmen, den einen Sonntag dort eine Predigt, den anderen eine
Betstunde mit Kinderlehre zu halten hatte.“ Desgleichen war ihm regelmäßiger
Religions- und Volksschulunterricht für die älteren Kinder, sowie die
Vertretung der lateinischen und realischen Fächer aufgetragen, während ein
Lehrergehilfe in der Eigenschaft eines Privatlehrers die jüngeren Altersklassen
unterrichten und den Organistendienst versehen sollte.
Vier
Jahre hatte diese Einrichtung Bestand. Verschiedene Gründe ließen es jedoch wünschenswert
erscheinen, daß Laupheim zu einer selbständigen Pfarrverweserei erhoben
wurde, was dann auch 1865 durch Beschluß der Oberkirchenbehörde geschah.
Gleichzeitig wurde aber auch der Plan zu einem Bau gefaßt, der Kirche,
Pfarrhaus und Schulhaus in sich vereinigen sollte. Noch im Jahr 1865 fand dieser
Bau, unter Leitung von Ortsbaumeister Werkmann, seine gelungene Ausführung.
Die
Gemeinde zählte jetzt 239 Personen.
Ein
Jahr zuvor hatte der Kirchengemeinderat folgende Bitte an den Oberkirchenrat in
Stuttgart gerichtet:
„Wir
wollen uns nicht über unsere katholischen Mitbrüder und jüdischen Mitbürger
- mit denen wir in Frieden leben und bleiben wollen - erheben, aber gleichtun möchten
wir es ihnen schon, wir möchten ihnen zeigen, daß auch wir zusammen gehören,
daß auch uns an evangelischem Leben, evangelischen Sitten und protestantischer
Bildung etwas gelegen ist und daß jemand wacht und wirkt, der sich um uns kümmert
und zu bekümmern den Willen und die Kraft hat“.
Die
Evangelische Schule in Laupheim
Bis
1862 besuchten die evangelischen Kinder die Kath. Volksschule in Laupheim.
Religionsunterricht erteilten die Lehrer aus Oberholzheim:
ab
1847
Lehrer Häge
ab
1.7.1849
Lehrer Schatz
ab
1.6.1853
Lehrer Deschler
ab
1.6.1861
Lehrer Klingler
Bereits
am 21. Mai 1853 wurde an das königliche Konsistorium in Stuttgart eine von
Amtspfleger Brigel unterschriebene Eingabe gemacht „mit der
Doch
erst 18 Jahre später konnte der Ausschuß protokollieren: „Durch hohes
Dekret des Königl. Evang. Konsistorium vom 12. Nov. 1861 ist den hiesigen evang.
Einwohnern auf ihr anhaltendes Bitten ein eigener Geistlicher (Vikar Müller) für
Kirche und Schule, theils auf Staats-, theils auf deren eigenen Kosten
allergewürdigst zugetheilt worden und derselbe am 19. Dezember 1861 allhier
eingetroffen, worauf am Christtage den 25. Dezember der erste Gottesdienst
gefeiert und am 6. Januar 1862 die höheren Orts anbefohlene Wahl des
Kirchengemeinderats vorgenommen wurde.“
Am
9. Februar 1862 wird Amtspfleger Brigel zum Rechner bestellt.
Am
4. Januar 1862 erschien im „Rottum - Boten“ eine Anzeige:
„Durch die Ankunft
eines eigenen evangelischen Geistlichen sind wir in den Stand gesetzt, einen
Unterricht in höheren Fächern zu eröffnen. Diejenigen Eltern, die ihre
Knaben daran Theil nehmen lassen wollen, werden ersucht, dieselben Samstag den
4. Januar 1862, Nachmittags 3 Uhr, in die Wohnung des Herren Vicar Müller zur
Anmeldung zu senden. Der Anfang des Unterrichts wird in Bälde bekannt gemacht
werden.
Noch wird bemerkt, daß
die Knaben mit Ausnahme derer die Latein lernen wollen, das zehente Lebensjahr
erreicht haben sollten. - Den 31. Dezember 1861.“
Die
Wohnung des Geistlichen, Vikar Müller, und seine Schule waren im Haus der Frau
Oberamtstierarztwitwe Forthuber im unteren Stock untergebracht.
(Vertrag
vom 8. Dezember 1861. Mietzins jährlich 50 fl). Der am 12. Januar 1862 gewählte
Ausschuß der Vereinigten Evang. Schul- und Kirchenpflege, erließ am 12. Januar
1862 die Bestimmung:
„Der
Unterricht soll erteilt werden in 15 wöchentlichen Stunden in den Fächern
Latein, Französisch, Geographie, Geschichte, Arithmethik
und deutscher Sprache. Vorerst sollen nur 16 Kinder angenommen werden damit
„einerseits der Unterricht nicht durch zu große Anzahl der Schüler sich
zersplittere und andererseits für die Kinder der evang. Confession, die sich
etwa dabei betheiligen wollen, offen gehalten werden kann. (Zuzüglich Winters 4
und Sommers 6 Std. für höheren Unterricht werden mit 40 fl jährlich
entlohnt).“
Noch
im selben Jahr stellt der neue gewählte Pfarrgemeinderat fest:
„Seit
dem Berufe des Geistlichen ist die Obliegenheit zum Unterricht verbunden und
zwar als Volksschule für die Kinder der evang. Einwohner vom 10. Jahre hinweg
und in höheren Fächern, woran die Kinder ohne Rücksicht auf das Bekenntnis
teilnehmen können. Später wurde auch das Bedürfnis des eigenen Unterrichts für
die evang. Kinder vom 6. Lebensjahr hinweg gefühlt und hierfür, in Verbindung
mit dem Organistendienste, ein Lehrergehilfe mit Belohnung von Seite der
Oberschulbehörde angeworben, der am 5. Mai 1862 seine Schule mit 9 Kindern eröffnete.
Diesem
liegt noch im besonderen Unterricht im Zeichnen ob.
“Schulgelder“:
-
Mittlere Volksschule für 1 Kind 48
kr
-
Untere Volksschule für 1
Kind1 fl 24 kr
Wie
aus dem vorgenannten Beschluß ersichtlich, wurde ab 5. Mai 1862 der von der
Oberschulbehörde beurlaubte Lehrergehilfe und Organist Bopp aus Biberach als
Unterlehrer eingestellt. Außer den vorgegebenen Stunden wird noch
Zeichenunterricht erteilt. Wohnung und Schulräume befanden sich auf dem
Kirchberg im Hause des Malermeisters Gustav Maier, im unteren Stock.
Der
jährliche Mietzins ab Georgi betrug 44 fl.
Ein
Antrag auf Anstellung eines ständigen Lehrers, die Unterlehrer wechselten jährlich,
ist am 4. April 1862 vom Königlichen Consistorium mit folgendem Wortlaut
abgelehnt worden: „daß die Anstellung eines ständigen Lehrers in Laupheim,
mit den Grundsätzen des Volksschulgesetzes nicht vereinbar sei, und daher der
vorgetragenen Bitte in dieser Form nicht entsprochen werden könne.
Dagegen
habe man nichts einzuwenden, wenn der Pfarrgemeinderat mit einem Lehrgehilfen, für
den beabsichtigten Zweck einen Privatvertrag schließe und sei geneigt, einen
solchen zu beurlauben.“
Bezüglich
einer Unterkunft schlägt Pfarrgemeinderat Rall am 19. Mai 1862 vor:
„die
Wohnung im Haus neben dem Klein Laupheimer
Schloß vor. Mietzins jährlich 150 Gulden. In diesem Haus ließen sich Betsaal,
beide Schulen, und Wohnung für Vikar und Lehrergehilfe unterbringen!“
Der
Antrag wird angenommen und von Martini an ein Contrakt auf drei Jahre vorgeschlagen.
Die
Besitzer des sogenannten „Spethschen“ Anwesens, neben Schloß Klein -
Laupheim waren fünf Genossen:
-
Sebastian Glasser
-
Konrad Speth (Schlossermeister)
-
Alois Speth (Schreinermeister)
-
Josef Aich ( Wirt zum „Mohrenkopf“)
-
Josef Haaga (Maurermeister und
Oberfeuerschauer)
Mit
ihnen wurde am 6. Mai 1862 ein Mievertrag abgeschlossen und gleichzeitig die
Wohnung des Geistlichen bei der Witwe Forthuber aufgekündigt.
Der Umzug erfolgte im August 1862. Der Betsaal wurde nach einem Umbau erst am 11. November bezogen. Lehrergehilfe Bopp unterrichtete 9 Volksschüler in der Unterklasse und war nebenbei Organist und Vorsänger. Außerdem war er Gründungsmitglied und Vorstand des Turnvereins Laupheim. Vikar Müller erteilte 22 Schülern insgesamt 22 Std. Unterricht. Allein 10 Std. davon waren für „höheren Untericht“ vorgesehen wie Latein, Erdkunde, Geschichte und Französisch. Es war also eine Art Mittelschule auch mit katholischen und jüdischen Schülern. Die Schulaufsicht lag beim ev. Schulinspektorat Biberach. Die Schulprüfungen waren öffentlich, Eltern und Pfarrgemeinderat wurden eingeladen. Jedoch schon auf Martini 1865 wurden die Räumlichkeiten von den Besitzern kurzfristig aufgekündigt.
„So
haben die evangelischen Bewohne Laupheims den Entschluß gefaßt, selbst ein Gebäude
zu errichten, in welchem ein Betsaal, eine Pfarrwohnung und Schulgelasse
untergebracht werden sollen“ 4.
Vom
Königlichen Evang. Consistorium, Stuttgart, wurde auf Antrag eine Kollekte
genehmigt und in sämtlichen evangelischen Gemeinden des Landes ausgeschrieben.
Es wurde eigens eine Kirchengenossenschaft gegründet.
So
konnten am 19. November 1865 die neuen Räume bezogen werden. Unterlehrer war
Lehrergehilfe Ehni aus Neuenburg. Für seinen Dienst als Lehrer, Organist und
Vorsänger erhielt er als Zulage zur Geldbesoldung, die von der evang.
Kirchengenossenschaft aufzubringen war, zusätzlich 7 ½ Ztr. Dinkel
oder
5 ½ Ztr. Korn zum durchschnittlichen Marktpreis von 21 fl 57 Kr.
Der
Betrag wurde monatlich mit Geld aufgerechnet.
Die
alten Kirchen- und Schulbänke sowie weiteres entbehrliches Inventar aus den aufgegebenen
Räumen wurde am 12. Januar 1866 öffentlich versteigert. Der Erlös betrug 17fl
57 Kr. 5.
Schwierigkeiten
bereitete z. T. das Abmahnen und Eintreiben von fälligem Schulgeld. Immer
wieder wird berichtet, daß säumige Väter vorgeladen und sogar unter Zuziehung
der Ortsschulbehörde und des Schultheißen bestraft wurden. Befreit waren
Kinder von niederen Bediensteten, im Durchschnitt sechs Schüler, denen das
Schulgeld nicht zugemutet werden konnte.
Nacheinander
waren hier folgende Geistliche tätig: (Aufgezeichnet von Pfarrer Bosch und Dr.
Gg. Schenk)
1862
- 1866 Gottfried Friedrich Müller
1866
- 1868 Gustav Adolf Heyd
1868
- 1870 Rudolf Theodor Bentel
1870
- 1874 Adolf Rheinwald
1874
- 1877 August Leypold
1877
- 1882 Gottlieb Liebermeister
1882
- 1884 Joseph Roller
1884
- 1889 Johannes Lechler
Mai
- Oktober 1889 Friedrich Schick
Erster
ständiger Pfarrer war Johannes Lechler, geb am 22. Mai 1860 in Kornwestheim,
verh. seit 23.Oktober 1889, Sohn von Pfarrer M. Gottlob Ludwig Lechler.
Bereits
im Oktober 1884 kam Johannes Lechler als Pfarrverweser nach Laupheim. Ab Mai
1889 nahm er einen sechsmonatigen Bildungsurlaub zu einer wissenschaftlichen
Reise nach England. Nach seiner Rückkehr vermählte er sich am 23. Oktober 1889
mit Martha Betulius und zog als erster ständiger Laupheimer Stadtpfarrer ins
neu renovierte Pfarrhaus.
Bis
zu seiner Ernennung zum Stadtpfarrer in Untertürkheim im Juni 1907
unterrichtete er die evangelische Oberklasse.
Er
starb am 29. September 1945 in Untertürkheim.
Im
Jahre 1889 erklärte das Konsistorium Laupheim zur Stadtpfarrei.
Bis
zur Jahrhundertwende stagnierte das Wachstum der Gemeinde, mit etwa 350 Gemeindegliedern.
Quellen und
Anmerkungen:
1.
Aus „Der evang. Diasporaverein in Württemberg“.
2.
Diese Aufzeichnungen sind im kath. Tauf- und Sterberegister aufgeführt.
3.
Werner Heinz „ Mitbürger greift zu den Waffen (Seite 399)“.
4.
Auszug aus dem Amtsblatt 120/1865.
5.
Rottum – Bote vom 18. März 1866.