ZURÜCK                                                                                ZUR HOMEPAGE VOM MUSEUM         

Museum zur Geschichte von Christen und Juden in Laupheim

Autoren:

Gabriele Bayer und Dr. Udo Bayer
in Zusammenarbeit mit Ralph Lange (Arbeitskreis RP Tübingen)


1. Bedeutung

"Wer aber vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Gegenwart" - dieses Zitat R. v. Weizsäckers ist ein Gestaltungselement des letzten Raumes im Museum zur gemeinsamen Geschichte von Christen und Juden im Schloss Großlaupheim. Die Museumskonzeption ist insofern einzigartig, als an diesem Ort nicht nur jüdische Geschichte thematisiert wird; vielmehr möchte sie gerade das Verhältnis, die Beziehung beider Bevölkerungsgruppen, ihr Nebeneinander und Miteinander ausschnittartig im Mikrokosmos einer oberschwäbischen Landgemeinde im Verlauf von über zwei Jahrhunderten bewusst machen. Vielfältige sinnlich erfahrbare Gestaltungselemente der Designkonzeption vergegenwärtigen das Vergangene; Objekte erzählen Lebensgeschichten.




Außenansicht von Schloss Großlaupheim (Museum)
© Museum Großlaupheim


Wenn wir die Beziehung von Christen und Juden in Deutschland in der Neuzeit als bedeutendes Element vor allem unserer Kultur- und Wirtschaftsgeschichte, als wichtigsten Fall der Beziehung von Mehrheit und Minderheit überhaupt und schließlich als schrecklichen humanen Tiefpunkt und Zivilisationsbruch in der Geschichte des 20. Jh. verstehen, wird unmittelbar evident, wie wichtig es ist, sich diese Teilaspekte an anschaulichen Beispielen und an historischen Orten zu vergegenwärtigen. Laupheim mit seiner über 200-jährigen Geschichte der jüdischen Gemeinde ist ein solches auch didaktisch gut aufgearbeitetes Exempel.

Die deutsch-jüdische Geschichte der Neuzeit steht vor allem im Zeichen der Emanzipation und kann schon deswegen keineswegs auf die Zeit nach 1933 reduziert werden. Aber, und auch das soll deutlich werden, sie geht nach 1945 weiter. All dies machen die Laupheimer Museumskonzeption und die Reichhaltigkeit des Gezeigten zum hervorragenden Lernort.

Eine eigenständige Abteilung des Museums mit einem kleinen Kinoraum bilden die Räume im EG; sie sind dem für die Filmgeschichte Hollywoods und die Emigrationsgeschichte gleichermaßen wichtigen Carl Laemmle gewidmet.



Eingang zum Kinoraum
© Museum Großlaupheim

Schließlich sei auf die Bedeutung des Laupheimer jüdischen Friedhofs, heute mitten im Ort, hingewiesen; er ist gut erhalten. Die Gestaltung seiner Steine ist ein Element jüdischer Religion und Geschichte. Er liegt ca. 15 Min. zu Fuß vom Museum. Der Weg führt durch den Schlosspark vorbei an der Gedenkplakette für die zerstörte Synagoge und das (heute mit Umbauten) noch erhaltene Rabbinatshaus über das ehemalige Wohngebiet des Judenbergs mit seinen Häusern aus dem 18. Jh. Besuche sind mit oder ohne Führung möglich. Zum jüdischen Friedhof liegt eine Beschreibung von Ernst Schäll zum Herunterladen vor 



Jüdischer Friedhof in Laupheim
© Museum Großlaupheim



Rabbinatsgebäude in Laupheim (19. Jh.)
© Museum Großlaupheim
 


2. Geschichte

Die Geschichte der Juden in Süddeutschland ist zunächst eine Geschichte der Juden auf dem Lande, insbesondere nachdem die Reichstädte im Spätmittelalter ihre Judengemeinden vertrieben hatten (z. B. Ulm 1499). Die Aufnahme in kleineren Herrschaften, oft für beschränkte Zeit, war keineswegs als humanitärer Akt gedacht, sondern brachte den geistlichen und reichsritterschaftlichen Territorialherren wirtschaftliche Vorteile in Gestalt von Schutzgeld und Sondersteuern sowie einer allgemeinen Belebung der Wirtschaftstätigkeit trotz der schmalen Handlungsbereiche (v. a. Vieh- und Hausierhandel, kleinere Geldgeschäfte), auf die die Juden gemäß diesen Verträgen sowie der Zunftordnung beschränkt waren. Zeitweise machten diese Einnahmen aus dem Judenschutz ein Fünftel der Einkünfte der Ortsherren, der Herren von Welden, aus. Auch deren Lebensspuren werden greifbar.
 



Abschrift des Schutzbriefs von 1734
© Museum Großlaupheim

Die Juden gewannen den Schutz des Lebens für sich und ihre Familien, allerdings z. T. gebunden an zahlenmäßige Beschränkungen, die Erlaubnis, Handel zu treiben sowie bestimmte Handwerksberufe für den eigenen Bedarf wie Metzger auszuüben und die Praktizierung ihrer Religion in eigenen Räumen - die Laupheimer Synagoge hatte im Lauf der zwei Jahrhunderte fünf Bauphasen - sowie die Anlage eines Friedhofs. Die Museumsausstellung bezieht auch die Religionsgeschichte ein - sowohl in Belegen für die christliche Volksfrömmigkeit wie in Zeugnissen des jüdischen Kultus. Rechte und Pflichten der Juden waren genau festgelegt in Schutzverträgen, die wiederum den Rahmen der landesherrlichen Judenordnung einhalten mussten und der Bestätigung durch die - in unserem Fall österreichischen - Lehnsherren bedurften. Die zwischen 1724 und 1730 von Buchau und Illereichen kommenden ersten Mitglieder der neuen Judengemeinde erhielten grundherrliche Häuser in Erbpacht in einem separaten Siedlungsgebiet, was ihre Außenseiterexistenz verdeutlicht.


Die territorialen Veränderungen für Württemberg im Zuge der napoleonischen Neugestaltung der Landkarte beenden die Herrschaft Österreichs in diesem kleinen Territorium, an dem sich auch die Merkmale der Feudalherrschaft wie Gewinn und Verlust des nie territorial geschlossenen Besitzes durch Heirat oder Erbteilung oder die vielfältige Überschneidung von Herrschaftsrechten zeigen. Das Schloss wird 1840 an Württemberg verkauft und der Staat sucht kurz darauf selbst wieder einen Käufer. Für die jüdischen Gemeinden ist der Wechsel der Landesherrschaft genauso ein gravierender Einschnitt wie für das neue Königreich, das plötzlich Judengemeinden hat, denn Herzog Eberhard hatte bereits 1498 die Juden aus seinem Territorium ausgeschlossen. Laupheim ist so für kurze Zeit die größte jüdische Gemeinde im Land; gleichzeitig finden sich in Laupheim als weitere Konfession die ersten Protestanten ein.



Synagoge in Laupheim (Aquarell Stumpp)
© Museum Großlaupheim

Zwischen 1808 und 1828 werden die politischen und vor allem wirtschaftlichen Verhältnisse der württembergischen Juden durch eine Reihe von Verordnungen geregelt, die einerseits den Handlungsspielraum und die Rechtsposition verbesserten, andererseits aber auch in die Autonomie eingriffen; dies gilt auch für das sog. Emanzipationsgesetz von 1828. Doch die Identifikation mit dem württembergischen Staat steigt. Die Auswanderungsbewegung aus Württemberg, v. a. aus wirtschaftlichen Gründen, erfasst gleichermaßen Juden wie Christen.

Die Exponate zeigen einerseits den zunehmenden Respekt der Konfessionen einander gegenüber, auch die langsame Umwandlung des Nebeneinanders der bürgerschaftlichen Vereine zu einem Miteinander gegen Ende des Jahrhunderts, aber auch das entscheidende Ereignis der Moderne, die Ablösung des traditionellen Antijudaismus durch den Antisemitismus. Seinen Höhepunkt findet das Miteinander im gemeinsamen Projekt der Industrialisierung, kurz vor und seit der Jahrhundertwende. Es ist ablesbar vor allem an der Stellung Kilian von Steiners; auf ihn gehen wichtige wirtschaftliche Weichenstellungen durch die Württembergische Vereinsbank zurück, außerdem ist er entscheidend an der Gründung des heutigen Literaturarchivs Marbach beteiligt. Der Komponist Moritz Henle, Kantor am liberalen Tempel in Hamburg, repräsentiert in gewisser Weise den parallel laufenden kulturellen Reformprozess innerhalb des deutschen Judentums. Das gute Einvernehmen zwischen christlichen und jüdischen Laupheimern überdauert auch den Einschnitt des Ersten Weltkriegs.



Steiner-Raum im Museum
© Museum Großlaupheim



Boykott 1933
© Museum Großlaupheim

Aber schon zu Beginn der 20iger Jahre beginnen erste Aktivitäten der Nationalsozialisten, die jedoch in der von der Zentrumspartei dominierten Region noch wenig Widerhall finden, sondern durchaus auf Widerstand stoßen. Wie überall ist das Jahr 1933 auch der entscheidende Einschnitt in den Lebensbedingungen der Laupheimer Juden. Fortschreitende Diskriminierung im öffentlichen Leben, Emigration, soweit möglich, Enteignung, Zerstörung der Synagoge, schließlich Zwangsumsiedlung in Baracken am Stadtrand oder in das als Zwangsaltersheim dienende Rabbinatsgebäude sind diese Stationen; sie münden schließlich in die Deportationen in Vernichtungslager. Aber auch der Alltag der nun als "deutsche Volksgemeinschaft" verstandenen übrigen Laupheimer ist vom Krieg gekennzeichnet; es finden sich Beispiele für Anpassung und für Widerstand.



Deportation 1941
© Museum Großlaupheim/Landesarchiv BW: Staatsarchiv Sigmaringen



Auschwitz - Endstation eines Deportationszuges mit Laupheimer Juden (Friedrich Adler) im Juni 1942
© Udo Bayer

Zu den amerikanischen Besatzungssoldaten gehören die Söhne ehemaliger Laupheimer. Enteignetes Eigentum wird restituiert, aber persönliche Kontakte zu Emigrierten, die als eine gewisse Aussöhnung mit der ehemaligen Heimat gesehen werden können, kommen erst spät, seit den 80iger Jahren, zustande, greifbar etwa an den bekannten Persönlichkeiten Hertha Nathorff und Gretel Bergmann.
 



3. Anlage

a) Das Museum zur Geschichte von Christen und Juden in Laupheim

Das Museum zur Geschichte von Christen und Juden in Laupheim besteht seit 1998; 2000 wurde der Carl Laemmle gewidmete Teil eröffnet, bis 2003 war eine vom Haus der Geschichte Baden-Württemberg neu gestaltete Gesamtkonzeption fertig gestellt.

Auf drei Ebenen zeigt die Ausstellung am authentischen Ort des in seiner heutigen Gestalt aus dem 18. Jh. stammenden Schlosses Großlaupheim der ehemaligen, von 1582 bis 1840 in Laupheim lebenden vorderösterreichischen reichsritterschaftlichen Ortsadeligen, das im 19. Jh. von der jüdische Familie Steiner erworben wurde, sein Thema bis hin zur Vernichtung der jüdischen Gemeinde und darüber hinaus auch die in die Gegenwart fortreichenden Kontakte.



Raum 1.1 - Christen und Juden im 18. Jahrhundert
© Museum Großlaupheim



Raum 1.2 - Christliche Bürger - jüdische Untertanen
© Museum Großlaupheim

Der Hauptbereich der Ausstellung im 1. OG bietet in acht Räumen einen chronologisch gegliederten Überblick über die Entwicklung der jüdischen Gemeinde im Umfeld der katholischen Mehrheit, beginnend mit der ersten Aufnahme von Juden um 1730 in die spätbarocke Welt Oberschwabens. Die Räume für das 19. Jh. zeigen an ausgewählten Exponaten die Einflussnahme des neuen Königreichs auf die neu gewonnenen jüdischen Untertanen, die Änderung von deren Rechtsstellung als Voraussetzung für den sich langsam anbahnenden wirtschaftlichen und sozialen Aufstieg. Als dritte Konfession kommen die protestantischen Bürger dazu. Vor allem das letzte Drittel des 19. Jh. lässt ein zunehmendes Miteinander erkennen, Schwerpunkte sind die Schulen und das Vereinswesen. Als Einzelpersönlichkeit wird der Komponist Moritz Henle in einem eigenen kleinen Raum gewürdigt. Der ehemalige Salon der Steiners verbindet in seinen Exponaten die lokale Wirtschaftsgeschichte mit dem sozialen Aufstieg dieser bedeutenden Laupheimer Familie.



Raum 1.6 - Der Erste Weltkrieg
© Museum Großlaupheim



Raum 1.7 - Die Weimarer Republik
© Museum Großlaupheim

Ein der Zeit des Ersten Weltkriegs gewidmeter Raum macht den Einschnitt bewusst, den diese Jahre für die Identifikation der deutschen Juden mit ihrer Heimat darstellen. Die der Weimarer Republik und der NS-Zeit geltenden Teile der Ausstellung verdeutlichen den Aufstieg der Nationalsozialisten auf lokaler Ebene, Versuche Widerstand zu leisten, die zunehmende Entrechtung der jüdischen Bevölkerung bis hin zu den Deportationen und Überreste der Synagoge sowie den Zusammenhang von Krieg und Shoah und die Auswirkung des Krieges auf die übrige Bevölkerung. Ein sich anschließender letzter Raum verdeutlicht, dass die Beziehung Laupheims zu seinen vertriebenen Juden nach dem Krieg und mit zunehmender Intensität seit den 80iger Jahren fortlebt.



Raum 1.8 - Der Nationalsozialismus
© Museum Großlaupheim



Raum 1.9 - Nachkriegszeit und Gegenwart
© Museum Großlaupheim

Im zweiten OG können drei weitere Räume besichtigt werden: je einer mit einer Werkausstellung des Jugendstilkünstler Friedrich Adler, 1942 in Auschwitz ermordet, und des Künstlers Pater Ivo Schaible; ein dritter macht längsschnittartig an lokalen Biografien die Geschichte von Frauen zum Thema.

b) Die Laemmle-Räume des Museums zur Geschichte von Christen und Juden Laupheim

"Er sah aus wie ein freundlicher kleiner Mann, nicht viel mehr als fünf Fuß groß, aber er wirft einen langen Schatten über die Buchseiten der Geschichte Hollywoods" - so resümiert ein amerikanischer Autor. Carl Laemmle (1867 -1939), genannt "Uncle Carl", dürfte, vor allem in den USA, der bislang bekannteste Laupheimer sein, insbesondere wegen des Stellenwerts derjenigen Branche, die er maßgeblich mitbegründet hat. Die Universal, die er 1936 verkaufen musste, zeigt heute dem Publikum das größte Studio in Los Angeles. Fast alle großen Studiogründer waren europäische Juden, die voll Elan die Chancen des neu entstandenen Mediums Film nutzten.

Figur von Carl Laemmle
© Museum Großlaupheim

Mit 17 Jahren verlässt Carl Laemmle Laupheim. Seine Karriere beginnt relativ spät. Erst mit 39 Jahren macht er sich selbständig, und zwar erregen in Chicago die ersten Filmtheater, Nickelodeons genannt, seine Aufmerksamkeit. So beginnt ein rasanter geschäftlicher Aufstieg vom Kinobetreiber über den Filmverleih bis zur eigenen Filmproduktion ab 1909, alles zunächst noch von der Ostküste aus. Wirtschaftsgeschichtlich bemerkenswert ist der siegreiche Kampf gegen den Edison-Trust.

Einige Jahre lang war das Studio in Los Angeles, 1915 eröffnet, sogar das größte überhaupt. Bis zur Einführung des Tonfilms 1929 produziert die Firma 9397 Stummfilme. So gehört Laemmle zu den großen europäischen Studiogründern in Hollywood. Filmgeschichtlich prägend sind vor allem die klassischen Horrorfilme der 30iger Jahre, die meist nach europäischen Literaturvorlagen und unter der Produktionsleitung von Carls Sohn, genannt Junior, entstanden. Außerdem hat die Universal eine Pionierrolle beim Zeichentrickfilm und beim Sciencefiction-Genre. Durch Arbeitsangebote für deutsche Filmschaffende hält die Bildsprache des Expressionismus Einzug in den amerikanischen Film. In Berlin wird die Deutsche Universal gegründet.



 Laemmles Stern auf dem Walk of Fame, Hollywood Bvd, Los Angeles
© Udo Bayer

Im Kontext des Schicksals der europäischen Juden nach 1933 ist Laemmles Namen aber aus einem ganz anderen Grund bedeutend, und Laupheim gedenkt vor allem auch deswegen seiner: Seine Bürgschaftserklärungen retteten Hunderte von Verfolgten, die ansonsten nicht nach Amerika gekommen wären.


c) Die Ausstellungskonzeption

Der drei Ausstellungsräume und ein kleines Filmtheater umfassende Laemmle-Bereich im EG möchte durch sein Design insbesondere den Kontrast der beiden Lebensbereiche dieses bedeutendsten Laupheimers visuell verdeutlichen: die Heimatstadt und Amerika. Gegen den kulissenartigen szenischen Hintergrund mit Staffagenmalerei und Zitaten sind die Fotos, Dokumente und Objekte abgesetzt (in Holzkonstruktion auf der Deutschlandseite, Metall für Amerika). Bereits die originalen Szenenfotos für Kinos sowie Filmplakate im Vorraum stimmen auf Themen der Ausstellung ein.

Die chronologische Abfolge der Ausstellung zeigt im ersten Raum Zeugnisse aus Laemmles Jugend. Er ist seit 1994 Namensgeber des Gymnasiums, dessen Vorgängerschule, die Lateinschule, er besucht hatte. An der gegenüberliegenden Wand verdeutlichen ein Zitat und ein Bild von Buffalo Bill, dass ihn neben der Hoffnung auf berufliche Chancen auch jugendliche Abenteuerlust zur Auswanderung trieb. Die ausgestellte Uhr stammt von seinem Großvater und sie hat ihn sein Leben lang begleitet. Die Replik einer großen Tafel vom Carl Laemmle Tower auf dem heutigen Universal-Gelände verdeutlicht das aktuelle Nachwirken seiner Persönlichkeit und spannt so den Bogen bis in die Gegenwart.

Der zweite Raum verbindet durch die Dokumente zur Überfahrt 1884 die beiden erwähnten Raumbereiche: für Amerika steht die Firma in Oshkosh, wo er bis 1906 arbeitete, die Eröffnung des ersten Kinos 1906 in Chicago und der "Laemmle Film Service". Fotos aus dem ersten Film "Hiawatha" der 1909 gegründeten Firma IMP leiten über zur daraus erwachsenden Universal (1912). Die Laupheim-Seite zeigt die jüdische Gastwirtschaft "Zum Ochsen", Symbol der Verbundenheit mit Laupheim (als Kulisse stand sie auf dem Studiogelände). Die Notzeit nach 1918 veranlasst Laemmle zur großzügigen Unterstützung seiner Geburtsstadt in der Zwischenkriegszeit; die öffentlichen Ehrungen mündeten in seine (offenbar später aus formalen Gründen) inoffiziell wieder annullierte Ehrenbürgerschaft.



Ernennung Laemmles zum Ehrenbürger
© Museum Großlaupheim

Die Wandgestaltung des dritten Raums macht bewusst, dass die Epoche der Weimarer Republik, in welche die Erfolge der Universal in Deutschland fallen (so v. a. "Im Westen nichts Neues"), durch die der NS-Machtergreifung beendet wird. Verschiedene Objekte und Fotos dokumentieren Laemmles Besuche bis 1930. Die Angriffe auf die Verfilmung von Remarques "Im Westen nichts Neues" sind bereits der Wendepunkt in Laemmles Beziehung zur alten Heimat. 1933 wird das Straßenschild mit seinem Namen entfernt. Gleichzeitig setzt hier sein humanitäres Engagement für Verfolgte ein, greifbar an Briefen. Fotos mit Prominenten und Beispiele aus seiner Handschriftensammlung zeigen sein großes Ansehen. 1936 muss Laemmle die Firma verkaufen. Auf einem letzten Foto finden wir ihn mit seinen Enkelkindern 1938 unter einem Weihnachtsbaum. Einige wenige persönliche Objekte der Erinnerung vergegenwärtigen uns in diesem Raum Vater und Sohn.

Junior sagte über Carl, worauf das Zitat auf der Wand hinweist, dass sein Glück darin gelegen habe, seine Mitmenschen amüsiert und unterhalten zu haben. Ein im Art Deco-Stil gestalteter kleiner Kinoraum schließlich zeigt Ausschnitte aus einer Dokumentation über die Laemmle-Epoche der Universal.


d) Raum- und Themenüberblick

1.0 Die Welden
1.1 18. Jh.
1.2 Anfang 19. Jh.
1.3 Mitte 19. Jh.
1.4 um 1900
1.5 Familie Steiner
1.6 Der Erste Weltkrieg
1.7 Weimarer Republik
1.8 Nationalsozialismus
1.9 Laupheim heute

2.1 Friedrich Adler
2.2 Pater Ivo Schaible
2.3 Frauenschicksale

0.1 Carl Laemmle

 

- Arbeitskreis für Landeskunde/Landesgeschichte RP Tübingen -