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2017

 

Einblicke in ein Leben hier als Jude

Beim Holocaust-Gedenken spricht Ben Schwalb ber die "dritte Generation"

Laupheim - Mit einer gut einstndigen Gedenkfeier hat die Stadt Laup-heim zusammen mit der Gesellschaft fr Geschichte und Gedenken (GGG) der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Die Feier bekam eine besondere Note durch die Worte von Ben Schwalb. Er gewhrte ganz offen einen Einblick in die Seele eines jdischen Nachkommens der dritten Generation. Die Feier diente auch zum Rckblick auf 20 Jahre GGG.

Rund 100 Besucher begrte der Erste Brgermeister Gerold Rechle zum Holocaust-Gedenktag im Kulturhaus. Das Holzblserensemble "FOKlaFaMUSICA" machte die Herzen der Gste bereit fr die Minuten des Gedenkens. Rechle stellte in seinen Ausfhrungen klar, welchen Rang ein Tag wie der 27. Januar hat: "Das Gedenken ist uns heute mehr denn je Aufgabe fr die friedliche Zukunft unserer Gesellschaft." Lange habe man nach 1945 in Laupheim ber die jdisch geprgte Vergangenheit geschwiegen, "sich zum Teil bestimmt auch fr die Untaten geschmt". Rechle wrdigte in diesem Zusammenhang Ernst Schll, der die GGG 1997 mitinitiierte und mageblicher Motor gewesen ist fr die ehrenamtliche Aufarbeitung der jdischen Geschichte Laupheims sowie die Pflege und Erfassung des jdischen Friedhofs.

Rechle wrdigt Arbeit der GGG

Aus Anlass des 20-jhrigen Bestehens wrdigte Rechle die Bedeutung der GGG fr Laupheim. Sie trage bei zur Pflege und Erforschung der Ortsgeschichte, gerade auch im Hinblick auf die ehemalige jdische Gemeinde. "Der Kontakt zu den Nachfahren Laupheims jdischer Gemeinde ist ohne die GGG undenkbar." Rechle lobte den Einsatz fr den jdischen Friedhof und das Mitwirken beim Aufbau des Museums zur Geschichte von Christen und Juden. All dies sei nicht selbstverstndlich. Der Erste Brgermeister dankte dem "wertvollen Verein" und dessen Vertretern Elisabeth Lincke und Michael Schick. Er sei berzeugt, dass sich die Erinnerungskultur immer wieder an die Formen und Sprache der Gegenwart anpassen msse.

Ganz in diesem Sinn referierte als Gastredner Ben Schwalb. Er ist Amerikaner und lebte die meiste Zeit in der Nhe von New York. Seine Familie, die jdischen Glaubens ist, ist um 1945 dorthin ausgewandert. Sein Studium fhrte Schwalb nach Tbingen. Das blieb nicht ohne Folgen. In liebenswerter Art erzhlte der Wahl-Mnchner: "Das Jahr in Tbingen und eine Frau, die ich dort kennen gelernt habe, haben mir so derartig gefallen, dass ich dann bleiben wollte." Schwalb recherchierte seine Familiengeschichte und stellte fest, dass sein Urgrovater auf dem jdischen Friedhof in Laupheim seine letzte Ruhesttte gefunden hatte. Das brachte den jungen Mann mit Laupheim in Berhrung.

Nachdem Schwalb in Mnchen ein Arbeitsplatz angeboten worden war, whlte er die bayrische Landeshauptstadt als Lebensmittelpunkt. Dort lebt er als Jude - und hat ein Problem. Es ist das Problem der dritten Generation. Er schilderte dies in aller Offenheit und zeigte die innere Zerrissenheit. Er frage sich immer wieder, erzhlte er, "wie genau ich in diese Gesellschaft reinpasse. Eher als Jude oder als Ami, als passiver Zugezogener, der die Kultur erlernen soll?" Er frage sich, ob er die Pflicht habe, die Vergangenheit zu besprechen und zu bearbeiten. "Oder soll ich einfach so tun, als wre ich ein Deutscher?"

Ben Schwalb machte deutlich, dass man als Jude in Deutschland eine eigene Identitt hat. Er sieht einen Konflikt, "wie anders man als Jude ist und wie anders man sein soll". Doch das sei nicht neu, vielmehr einer der ltesten Konflikte der Juden in der Zerstreuung.

"Leute sollten wissen wie es ist"

Die verschiedenartigen Ausprgungen der jdischen Kultur verschrfen nach Darstellung des Referenten die persnlichen Konflikte. Schwalb vermisst im jdischen Leben in Deutschland, dass den Verschiedenartigkeiten von orthodoxen und liberalen Gemeinden Rechnung getragen wird. Er habe sich vorgenommen, "viel mehr ber mein Leben hier als Jude zu erzhlen. Die Leute sollten wissen wie es ist, als Jude in Deutschland zu leben."

Zum Schluss zeigte sich Ben Schwalb zufrieden darber, was alle bei dieser Gedenkfeier im Kulturhaus wollten: nie vergessen.

 

Ben Schwalb sprach als Hauptredner der Gedenkstunde. Sein Thema: " Die deutsche Geschichte und das jdische Erbe in der dritten Gerneration."

 

Die Gestaltung des Holocaust-Gedenktags lag in den Hnden von Gerold Rechle, Elisabeth Lincke, Michael Schick, Ben Schwalb und Museumsleiter Michael Niemetz (von links).  Fotoa: Franz Liesch

 

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