Grabsteine Problemstellungen Restaurierung
Hier werden nun einzelne Problempunkte erläutert, welche sich im Lauf der Jahre entwickelt haben. Die meisten der hier aufgeführten Punkte sind ursächlich für den Zerfall der vorhandenen Sandstein Grabmale in jüdischen Friedhof.
Verschmutzung
Durch unsere Umwelteinflüsse werden die Grabsteine mit Staub und Schmutz aus der Luft und letztendlich mit saureren Regen belastet. Der Baumbestand im Friedhof belastet die Steine weiter durch Laub und herabfallendes Geäst. Vögel hinterlassen oft ihre Exkremente auf den Steinen. Behoben werden könnten die Verschmutzungen durch Reinigen der Grabsteine mittels Hochduckreiniger, jedoch ist dies bei einer Anzahl von ca. 1000 Grabsteinen unverhältnismäßig. Zum weiteren würde die Substanz der weichern Steinsorten bedenklich leiden. Weiteres Problem bei den weichen Steinen könnte sein, dass Mineralsalze im Stein mobilisiert werden und nach außen dringen. Aus diesen Gründen wird auf eine Reinigung der Steine verzichtet.
Beispiel von Verschmutzung der Oberfläche, links vor der Restaurierung mit vielen sehr weichen, mehligen Stellen. Rechts der Stein nach der Restaurierung.

Diese Stein war ursprünglich strahlend Weiß. Die Verschmutzung durch die Staub und Rußpartikel in der Luft hinterlassen ihre Spuren.
Verwitterung
Die Verwitterung betrifft überwiegend nur Bundsandsteine. Bei Verwitterung versteht man die Zerstörung der Steinsubstand durch Umwelteinflüsse. So macht der saure Regen den Sandsteinen sehr zu schaffen. Durch die Säure im Regen werden Bestandteile aus dem Stein gewaschen, welchen diesem die eigentlichen Härte geben. Im Extremfall zerfällt der Sandstein zu Sand und kann sogar mit dem Fingernagel abgetragen werden.
Beispiel für Verwitterung, Rissbildungen und Ausblühungen.
Abschuppungen
Durch die Umwelteinflüsse wird oft die Oberfläche der Steine so angegriffen, dass es zu Abschuppungen kommt. Oft sind Schriftbilder nur noch Papierdünn und können nur unter größten Aufwendungen bei der Restaurierung erhalten werden.
Abschuppung der Steinoberfläche

Kläglicher Rest einer Grabinschrift, der Rest des Schriftbildes ist unwiederbringlich Zerstört.
Ausblühungen
Aufgrund von Salzen im Sandstein kommt es oft zu Ausblühungen. Diese können sich als weißer Schleier oder Ränder am der Oberfläche zeigen. Es wurde aber auch schon gelbe Ausblühungen beobachtet welche auf Schwefel hindeuten. Diese Ausblühungen können durch Kompressen behandelt werden.


Im unteren Bereiches des Steines erscheinen Ausblühungen, bzw. Salze im Stein wurden gelöst und treten nach außen.
Bruchstücke / Fragmente
Durch die Verwitterung kommt es sehr oft vor, dass sich ganze Teile vom Stein lösen und abfallen. In früherer Zeit wurden diese Fragmente entsorgt, so ist von einigen Steinen nur noch ein Bruchstück vorhanden, welchen zum Teil noch am Grab ist. Oder wenn das Bruchstück nicht zugeordnet werden konnte wurden diese in der nördlichen Mauer in großen Platten eingegossen. Werden heute Bruchstücke gefunden, so werden diese Dokumentiert. Das heißt die Bruchstücke werden mit den Daten vom Grab versehen und in der Werkstatt gelagert bis es zu einer Restauration des Steines kommt.

Risse
Aufgrund der natürlichen Steinschichten in den Sandsteinbrüchen kommt es vor, dass es unterschiedlich harte Schichten im Gestein gibt. Entsteht ein Riss so kommt es zu weiteren Reaktionen am Stein, welche bis zur ganzen Abspaltung oder Teilung des Steins führen können. Die Wintertage, welche sich durch Sonnenschein am Tage und harten tiefen Frost bei Nacht kennzeichnen setzten den Steinen am meisten zu. Durch den Sonnenschein schmilzt der auf dem Stein befindliche Schnee, so dass die Risse mit Wasser gefüllt sind. In der Nacht gefriert nun dieses Wasser und treibt die Steinschichten auseinander.
Beispiel für oberflächige Risse und Rissbildungen, welche den Stein spalten.
Statik / Sicherheit / Sturzgefahr
Aufgrund von oft mangelnden ausreichenden Fundamenten ist die Sturzgefahr recht groß. Regelmäßige bzw. stichpunkthaltige Prüfungen der Standfestigkeit haben schon öfters Gefahrstellen entpuppt. In früherer Zeit wurden die Steine oft mittels eines Eisenstiftes mit dem Sockel oder Fundament verbunden. Liegt der Eisenstift nicht weit genug im Inneren des Steines, so kommt es zu Korrosion des Stiftes. Die Korrosion kann zum einen den Sandstein im Fußbereich sprengen oder aber abrosten, so dass keine entsprechende Verbindung mehr vorhanden ist. Ein Hinweisschild am Eingang und auch in der Beschreibung ist auf diese Problematik hingewiesen. Deshalb sollen auch Kinder nur in Begleitung Erwachsener den Friedhof betreten. Es wird auch dringend gebeten die Steine nicht zu berühren.

Schräglage eines Steines wegen mangelhaft aufgeführten Fundament
Einsinken / mangelnde Fundamente
Aufgrund der mangelnden Fundamente kommt es über die Jahre vor, dass Grabsteine weit in den Boden versinken. Es wurden schon Einsinkungen von bis zu 30 cm beobachtet. Das linke Bild zeigt den Grabstein im ursprünglichen Zustand, rechts nach der Restaurierung mit neuen Sockel.
Beispiel für Einsinkung, lins vor der Restaurierung, recht wieder in originaler Position mit Sockel.
Beschädigung durch vorhandene Vegetation
Die Wurzeln wild gewachsene Bäume haben schon mehrere Grabsteine in Schräglage gebracht, so dass ein Umstürzen der Grabsteine drohen kann. Bei Herbststürmen werden immer wieder große Äste aus den Bäumen gerissen, hierbei wurden auch schon oft Teile von Grabsteinen abgeschlagen.
Das vor vielen Jahren gepflanzte Efeu auf den Grabflächen wird in der Sommerzeit für die Grabsteine zu einer großen Belastung. Die zurückbleibende Haftungsstellen sind von der Steinfläche nicht zu entfernen und verwittern erst nach Jahren. Zum anderen wuchert das Efeu in alle Risse und Ritzen und treibt diese auseinander. Mehrmals muss in den Sommermonaten das Efeu von den Steinen entfernt werden.
Die auf den Grabsteine wachsenden Moose und Flechten schaden den Steinen nicht wirklich. Durch die Moose und Flechten soll das Regenwasser etwas neutralisiert werden, so schrieben es schon Fachleute.


