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Grabsteine Problemstellungen Restaurierung

Dokumentation einer Restaurierung

Restaurierung     

Ziel einer Restaurierung ist es den Zustand des Steines "einzufrieren" und möglichst den weiteren Zerfall zu verzögern. Es ist nicht das Ziel Steine neu zu machen oder Inschriften zu erneuern. Wenn es aus technischer oder statischer Sicht notwendig ist werden einzelne Bereiche des Steines erneuert. 

Bei den Restaurierungen gibt es hier zwei Wege, wie der Stein restauriert wird. 

Große Steine oder sehr unzugängliche Steine werden Vorort bearbeitet. Mittels einer kleinen „Bauhütte“ aus Folie und Dachlatten wird der Stein währen der Restaurierung von Regen und Sonneneinstrahlung geschützt. Diese erste Methode hat den Vorteil, dass der aufwendige und gefährliche Abbau und Transport zur Werkstatt gespart werden kann. Auch ist es von Vorteil, dass der Stein durch den Abbau nicht weiter an Substanz verliert. Jedoch hat diese erste Methode auch Nachteile. So kann der Stein nur im Vertikalen bearbeitet werden. Das bringt dann Probleme mit sich wenn ganze Seiten verfüllt werden müssen. Auch ist die Reinigung des Steines nur bedingt möglich. Auch die Härtung des Steines leidet darunter. 

Die zweite Methode der Steinrestaurierung sieht vor den Stein abzubauen und in der Werkstatt zu restaurieren. Diese Methode wird zu 80 % angewandt. Ist der Stein gut zugänglich, nicht zu groß und lässt er sich vom Sockel trennen. So ist diese Methode vorzuziehen. Es muss aber eingestanden werden, dass es durch den Abbau  zu Beschädigungen im Bereich des Sockels und der Grabstein Unterkannte kommen kann. Jedoch ist durch dieses Verfahren gewährleistet, dass der Unterbau des Grabsteines wieder standsicher hergestellt werden kann. In der Werkstatt kann der Stein auf den Werktischen von allen 4 Seiten gründlich bearbeitet werden.

 

Auswahl der zu restaurierenden Steinen

In den letzten beiden Jahrzehnten wurden sehr viele Grabsteine aus Bundsandstein restauriert. Neben der ehrenamtlichen Arbeiten durch Ernst Schäll und in der Nachfolge durch Michael Schick wurden einige Steine auch durch Restauratoren und ortsansässigen Steinmetzen restauriert. Die Restauration durch Steinmetze ist sehr Kostenintensiv, wobei ein großer Teil der Restaurierungskosten durch das Regierungspräsidium Tübingen übernommen wird. Zugrunde liegt der Zuschuss für die Erhaltung der jüdischen Friedhöfe in Baden-Württemberg.

Die ehrenamtliche Restauration ist in der Qualität oft der Gewerblichen überlegen. Bei der ehrenamtlichen Restauration ist der Zeitfaktor unabhängig, so kann für eine Restaurierung bis zu 40 oder 50 Arbeitsstunden investiert werden. Bei den Gewerblichen Restaurierungen liegt ein Angebot und eine Stundenschätzung als Grundlage und hier durch wird auch die Qualität bestimmt. Es kam schon vor, dass gewerblich restaurierte Steine mit viel Verlust an Substanz aus der Werkstatt zurück kamen und nicht mehr als restaurierter Stein zu erkennen waren.

Die Auswahl richtet sich überwiegend nach den zu erwartenden Zerstörungen am Stein. So hat ein Stein an welchen der Giebelbereich eingerissen ist und abzubrechen droht einem Stein mit einfachen Rissen vorzuziehen. Erster  Entscheidungsaspekt ist die Standsicherheit. Wackelt ein Stein oder ist seine Standfestigkeit aufgrund von Schräglage gefährdet, wird dieser auch wenn die Grundsubstanz  des Steines noch gut ist zumindest gereinigt und vor allem gehärtet. Weiterer Aspekt für die Auswahl ist der Lagerbestand an Steinrestauriermörtel. Dieser Steinrestauriermörtel ist recht teuer und nur bedingt lagerfähig, weshalb aus wirtschaftlichen Gründen darauf geachtet wird, dass dieser Steinrestaruriermörtel nicht unbrauchbar wird.

 

Vorgehensweise der Restaurierung

1            Reinigung

Jeder Stein der in die Werkstatt kommt weist andere Beschädigungen auf und keine Restauration gleicht einer anderen.

Nach dem Abbau und der Bergung der vorhandenen Fragmente wird der Stein zur Werkstatt am östlichen Ende des Friedhofes verbracht. Dort wird der Fußbereich des Steines von Schmutz und Beton oder Steinresten befreit und für eine glatte Unterseite gesorgt. Im gepflasterten Freigelände wird der Stein nach Möglichkeit provisorisch aufgestellt und gegen Umstürzen gesichert.

Moose, Flechten und Verschmutzungen werden mit dem beheitzten Hochdruckreiniger abgewaschen. Der Strahldruck muss niedrig gehalten werden, da sonst die Substanz des vorhandenen Steines beschädigt wird. Auch auf das Schriftbild und Schmuckteile ist besonders acht zu geben.

Auf Zusatzmittel bei der Reinigung wird gänzlich verzichtet.

2            Festigen mittels Kieselsäuresester

Nachdem der Stein getrocknet ist, wird er in Wannen auf den Werktisch abgelegt. Mittels Steinfestiger OH100 der Fa. Rajasil wird der Stein eingelassen. Der Steinfestiger dringt in das oberflächennahe Porengefüge des Steins ein und hydrolysiert dort unter Reaktion mit der Feuchte im Gestein zu amorpher Kieselsäure. Bei dem Steinfestiger handelt es sich um eine wässerige Flüssigkeit mit hoher Viskosität.  Wird der Stein mit Steinhärter getränkt, so reagiert der Steinhärter indem er zunächst verkleistert und letztlich kristallin wird. Nach der Reaktionszeit von ca. 14 Tagen hat der Steinhärter eine glasähnliche Substanz. 

 

3       Risse / lose Teile und Fragmente

Risse im Steinkörper müssen alle wieder geschlossen werden. Zunächst werden die Risse mittels Trennschleifer oder Stabschleifer auf 3 – 5 mm geöffnet. Hierbei ist zu achten, dass auch eine größtmögliche Tiefe des Risses geöffnet wird. Dies geschieht vorzugsweise in horizontaler Lage. Tiefe Risse und größere Hohlräume im Stein werden zunächst mit einer zähflüssigen Trasszementmasse verfüllt. Der Stein muss zuvor gut gewässert werden, damit der Stein der Trasszementmasse nicht das Wasser entzieht. Der Zement kann sonst nicht richtig reagieren und aushärten. Es gibt auch die Möglichkeit statt des Trasszementes Steinrestauriermörtel oder Epoxydharz zu verwenden. Steinrestauriermörtel  erreicht aber nicht die Festigkeit wie Trasszement. Bei Epoxydharz besteht bedenken, ob dieses Material mikroskopisch sich mit dem Stein verbindet. Beste Erfahrungen wurden mit Trasszement gemacht. Nachdem der Trasszement abgebunden hat wird der restliche Riss auf ca. 10 – 15 mm vertieft und mit Steinrestauriermörtel geschlossen.

Bei der Verfüllung mit Steinrestauriermörtel gibt es zwei Anwendungsmöglichkeiten. Die Aufwendigere ist diese indem der Riss mit dem Material gefüllt wird. Die Füllung wird aber als Überschuss aufgetragen, so dass eine Anhäufung des Steinrestauriermaterial auf dem Riss entsteht. Nach einer Abbindezeit von ca. 24 bis 48 Stunden wird der Überschuss durch Kratzen mittels Klingen oder Kratzeisen auf das gewünschte Niveau abgetragen. Auch kann mittels Schleifpapier die Fläche bearbeitet werden. Teilweise entstehen an den Rändern des abgetragenen Steinrestauriermörtels Spuren des Materials. Diese Methode eignet sich auch gut um fehlende Stellen am Stein zu rekonstruieren.

Die andere Methode besteht darin, dass wieder der Riss mit Steinrestauriermörtel gefüllt wird. Nach einer Abbindezeit von ca. 1 Stunde wird der Überschuss am Riss mittels Schwamm und Wasser abgetragen. Der verfüllte Riss hat nach dem Abbinden eine leichte Versenkung und kann als Reparaturstelle erkannt werden.

Lose Teile und Fragmente werden zunächst mittels Edelstahldübel und Trasszementmasse an der ursprünglichen Stelle montiert. Nach der Abbindezeit werden die Verbindungskanten aufgeschliffen und gleich wie ein Riss verfüllt.

 

 

4            Verdübelung / Stabilisierung

Wie im vorigen Kapitel erwähnt werden lose Teile mittels Edelstahldübel im Trasszement verfestigt. Als Edelstahldübel werden Edelstahlrundmaterial in den Stärken 6 – 22 mm verwendet. Bei glattem Rundmaterial muss aber die Oberfläche mit dem Trennschleifer angeraut werden, somit wird ein „schlüpfen“ des Dübels verhindert.  Oft werden aber auch Gewindestangen als Dübelmaterial verwendet.

Bei gebrochenen Steinen müssen mehrere Dübel in Reihe oder versetzt wieder für Verbindung sorgen. Die Schwierigkeit besteht darin die Dübellöcher genau gegenüberliegend Parallel und fluchtgenau zu bohren. Passen die Dübellöcher wird zunächst eine Seite gewässert und mit Trasszementmasse werden die Dübel eingesetzt. Nun wird das Gegenstück zum Aushärten provisorisch angesetzt um die Dübel in der Position zu halten. Nach der Abbindezeit von mehreren Tagen kann nun das Gegenstück und die Bruchstelle mittels Trasszementmasse verbunden werden. Die Bruchkante nach außen hin wird behandelt wie ein Riss.

Ist ein Stein in seiner Masse geschwächt oder auch sehr schmal, so dass eine Bruchgefahr besteht so wird nach Möglichkeit der Stein von der Unterseite an bis zum Giebelbereich durchgebohrt. Es sollte möglichst ein Sackloch bleiben um die Außenhülle nicht zu beschädigen. Die Bohrlöcher sind bis zu 1 Meter tief und bedürfen höchster Vorsicht beim Bohren. Die größte Gefahr besteht darin, dass der Bohrer abwandert und die Außenhaut beschädigt wird. Die weitere Gefahr besteht darin, dass das Bohrmehl nicht richtig nach außen geführt wird und der Bohrer sich fest frisst.

Ist die Bohrung gelungen wird das Bohrloch mittels Druckluft gereinigt. Die nächste Herausforderung ist nun das Bohrloch mit Trasszementmasse zu füllen, jedoch darf keine Luft bzw. Hohlräume vorhanden sein. Dieses Füllen des Bohrloches wird mittels eines Spritzsackes wie es im Bäckerhandwerk verwendet wird vorgenommen. Als Spritztülle ist ein etwa ein Meter langes Rohr angebracht durch welches die Trasszementmasse in das Bohrloch gespritzt wird. Beim Verfüllen muss die Tülle langsam aus dem Bohrloch gezogen werden, zuvor muss aber auch dieses Loch gut gewässert werden. Nun kann der vorher abgelängte  Dübel in das Bohrloch geschoben werden, hierbei wird nun das überschüssige Trasszementmaterial aus dem Bohrloch gedrückt. Der Dübel kann unter Umständen gleichzeitig als Verbindungsdübel zum Sockel verwendet werden, deshalb ca. 15 cm länger als das Bohrloch ablängen.

5            Retuschierung

Nach der Restaurierung der Steinmasse können einzelne Stellen welche bearbeitet wurden der restlichen Steinmasse farblich angepasst werden. Dieses retuschieren erfordert sehr große Erfahrung und Geduld. Zur Verfügung stehen hier flüssige Grundfarben, welche entsprechend gemischt werden. Der nasse Farbton entspricht aber nicht dem trockenen. Deshalb muß nach jedem Mischvorgang eine Probe getrocknet und verglichen werden. Der Auftrag der Farbe kann mittels Pinsel geschehen. Hier sind aber dem Experimentiertrieb keine Grenzen gesetzt. Mittels alten Zahnbürsten kann die Oberfläche gesprenkelt werden oder mittels Lappen getupft oder mit dem Blasrohr gesprüht. Nach dem Trocknen muß die behandelte Fläche noch fixiert werden.

 

6            Fundament und wieder Aufstellung

Oft sind alte Fundament vorhanden welche nicht mehr zu gebrauchen sind. Sicherheit geht über alles! Dabei werden oft Ziegelsteine mit losem Humus ausgegraben. Es wurden aber auch schon ganze Grabsteine geborgen. Bei der Herstellung des Fundamentes ist dringend darauf zu achten, dass das Grab und die Erdschicht nicht beschädigt werden. Das Volumen der geborgenen Ziegelsteine wird durch Magerbeton ersetzt. Hierauf kann dann der Sockel mittels Trasszementmörtel und Dübel verbaut werden. Auf den Sockel wird nach der Abbindezeit der Grabstein ebenfalls mittels Dübel und Trasszementmasse errichtet.

Ist der Stein nur im Humusboden ohne Sockel geborgen worden, so wird an den Restaurierten Stein ein passender Socken angegossen. Die Masse des gegossenen Sockels sollte deutlich größer sein als der Grabstein, somit wird die Standsicherheit gewährleistet. Der Grabstein wird zur Herstellung des Sockels in eine Schalung gestellt und mit feinem Beton verfüllt. Ein Tag nach dem gießen des Sockels kann der noch nicht abgebundene Beton bearbeitet werden. Mittels Abwaschen oder beschlagen erhält der Beton eine natursteinähnliche Oberfläche.

Wird der Grabstein mit dem abgegossenen Sockel nun aufgestellt so wird er soweit eingegraben bis etwa nur noch ca. 5 cm des Betonsockels sichtbar sind. Somit erhält der Grabstein weiteren Schutz. Oft werden Steine durch Mäharbeiten in Höhe der Graskante beschädigt. Auch bietet diese Art des Sockels und der Aufstellung den Vorteil, dass wenn durch Vandalismus Steine umgestoßen werden, diese mit dem Sockel aus dem Boden kippen und wieder aufgestellt werden können, nach dem Prinzip des "Stehaufmännchen".

 

7        Dokumentation

Von der Restaurierung wird in der Regel immer eine Dokumentation gefertigt. Hier soll der Zustand vor und nach der Restaurierung festgehalten werden. Diese Dokumentation dient auch zur weiteren Qualitätsverbesserung der Restaurierung. Es werden auch in unterschiedlichen Abständen verschiedene Steine und auch ganze Teile des Friedhofes fotografiert. Weiter werden aufgefundene Fragmente dokumentiert um eine mögliche Reparatur des Bruchsteines zu erleichtern. 

Die wohl aufwendigste Dokumentation des Friedhofes nahm die heute in Düsseldorf lebende Historikerin Nathanja Hüttenmeister vor. Das Resultat wurde in einem umfangreichen Buch veröffentlicht.

Im Jahr 1964 erhielt der Heidenheimer Fotograf und in Laupheimer geborene Josef Schönle den Auftrag den Friedhof zu dokumentieren. Dieses Fotodokument erstrecht sich auf fast 400 Aufnahmen im hochauflösenden Mittelformat. Herr Schönle schenkte im Jahr 2008 der Stadt Laupheim seine Sammlung von Negativen, diese sind im städtischen Archiv verwahrt. Diese Aufnahmen sind heute ein wichtiges Hilfsmittel um den Verfall zu dokumentieren.

Bereits viele Jahre zuvor erstellte John Bergmann eine handschriftliche Skizze des Friedhofes mit allen Gräbern und deren noch lesbaren Inschriften.

Im Jahr 1865 wurde durch den Geometer Bernheim und dem Rabbiner Wälder und dem Vorsänger Strauss ein Plan des Friedhofes erstellt.

 

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